28 | 02 | 2020

S.M.S. Irene - Die Suche nach den Quellen...

Ein chinesisches Opiumlämpchen, chinesische Seidenschuhe sowie ein kleines Schwert in einer Elfenbeinscheide, das waren die ersten Dinge die ich mit meinem Urgroßvater (den ich leider nie kennengelernt habe) in Verbindung bringe. Diese drei Dinge hingen bei meiner Großmutter in einem netten Ensemble an der Wand. Sie stammten - so die Aussage meiner Großmutter - aus der Zeit zu der mein Urgroßvater in China angeblich den Yangtse in einem Kanonenboot mit dem Namen Iltis zu einer Strafexpedition hinauffuhr. Naja das alles stimmte nicht ganz wie sich später herausstellte.

Nachdem mein Vater begann Ahnenforschung zu betreiben und dementsprechend natürlich auch Informationen zu meinem Urgroßvater sammelte, stellte sich bei Durchsicht eines Auszuges aus dem Krankenbuchlager in Berlin heraus das mein Urgroßvater nie auf der Iltis seinen Dienst versah. Es waren allerdings zwei andere Schiffe der kaiserlichen Marine auf denen er zu drei verschiedenen Zeiten zur See fuhr: S.M.S. Irene (1894-1898 als Maschinen Maat sowie 1900-1901 als Ober Maschinen Maat) und S.M.S. Beowulf (1898-1900 als Ober Maschinen Maat).

Nachdem ich immer schon einen Faible für den Schiffsmodellbau hatte und immer mal mit dem Gedanken gespielt hatte die Iltis zu bauen auf der ja angeblich mein Urgroßvater zur See fuhr wendete sich mein Interesse nun diesen beiden Schiffen zu. Nun die Beowulf ist hinlänglich bekannt. Es gibt auch vorzügliche Modellbaupläne sowie fantastische Modelle von ihr. Die S.M.S. Irene jedoch ist, wie es mir scheint, weit weniger im Fokus der Modellbauer. Also begann ich meine Suche nach Material rund um dieses Schiff.

Eine Anfrage beim Arbeitskreis historischer Schiffsbau brachte mich schließlich zum Bundesarchiv in Freiburg. Hier lagern 94 Original Planteile der Irene teilweise mit und teilweise ohne Datum. Mit Hilfe der Mitglieder des Forums kaiserliche Marine (vielen Dank nochmal) suchte ich aus diesen Plänen die 16 wichtigsten aus. Ein erster Kostenvoranschlag bewirkte bei mir zwischenzeitlich die Überlegung das Projekt S.M.S. Irene fallen zu lassen. Scans der Pläne hätten weit über 1000 Euro kosten sollen. Zuviel für ein Hobby. Nach mehrmaligen Telefonieren und recherchieren schlug ich dann einen anderen Weg ein. Ich bestellte Dias der Pläne und suchte mir einen Scanservice bei mir in der Nähe. Dadurch konnte ich die Kosten auf ca 250 Euro senken bei angemessener Qualität.

Desweiteren suchte ich (und suche natürlich immer noch) Bildmaterial rund um dieses Schiff. Über mehrere verschlungene Web-Wege kam ich dann auch zur sächsischen Staatsbibliothek die Teile des Archives Dr. Franz Stödtner über die Deutsche Fotothek anbietet. Hier erhielt ich einen qualitativ hochwertigen Scan sowie die Erlaubnis diesen Scan auch auf meiner Webseite (natürlich mit Hinweis auf die Quelle) zu veröffentlichen. Auch hier nochmal vielen Dank.
S.M.S Irene 1901?


Nun habe ich einiges zu tun. Vor allem aber die Aufbereitung der Pläne steht zur Zeit im Mittelpunkt. Pläne die über 120 Jahre alt sind haben natürlich über die Zeit und zwei Weltkriege gelitten. Dementsprechend ist es für einen ambitionierten Laien wie mich natürlich eine Herausforderung diese Pläne aufzubereiten.

Leider sind Opiumläpchen, Seidenschuhe und Schwert abhandengekommen bevor meine Großmutter ins Altersheim umzog. Zu diesem Zeitpunkt war meine Großmutter schon sehr großzügig...